Social Media für DIY-Künstler: Ein Erfahrungsbericht


Youtube_DIY_1Kevin Staudt kennen viele aus „The Voice of Germany“. Er ist nicht nur ein toller Musiker, sondern auch einer, der weiß, welchen Stellenwert Selbstvermarktung in der Kunst einnimmt. Seine YouTube-Videos erzielen tausende von Views. Und auch auf Facebook ist er sehr aktiv. Grund genug, ihn einmal zu bitten, seine Erfahrungen und sein Wissen mit uns zu teilen. Wie nutzt man YouTube und Facebook erfolgreich als Künstler? Was funktioniert gut, was weniger gut? Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Musikern? Und worauf sollte man achten, wenn man im Social Media-Kontext glaubwürdig auftreten will?

 

KevinStaudtDer Vorteil der sozialen Netzwerke und Videoportale wie YouTube, Myspace und Facebook liegt vor allem darin, dass man die Leute auch zu Konzerten einladen und mit mehr News, zum Beispiel mit Bildmaterial, versorgen kann. YouTube ist dafür  mehr ‚beklickt‘. Überall auf der Welt werden ständig Suchbegriffe eingetippt, die dann über irgendwelche Umwege durch Zufälle auf dein Profil führen können.

Trifft man bewusst oder unbewusst mit einem Video den richtigen Nerv, kann man in kurzer Zeit sehr viel erreichen. Dadurch, dass die Leute es über ihre Profile teilen und verbreiten, was unglaublich schnell gehen kann.

 

Zimbalam: Wie bist du im Bereich Social Media bisher vorgegangen?

KevinStaudtUrsprünglich ging das bei mir 2010 mit YouTube so los, dass ich nur eigene Songs veröffentlichen wollte. Aber von der Illusion, auf diese Weise Leute für meine Musik zu begeistern, bin ich dann relativ schnell losgekommen, nachdem ich drei Songs hochgeladen hatte und nach Wochen fast nur meine eigenen Klicks darunter zählen konnte. Eigene Songs sind für andere meistens erst einmal uninteressant, wenn man ohne Label  agiert und ‚unbekannt‘ ist. Hinzu kam, dass ich zu der Zeit keine Band hatte und bei Gigs immer auf die Akustikgitarre zurückgegriffen habe.

Aus diesem Grund bin ich dann auch auf den Boyce-Avenue-Zug aufgesprungen und habe angefangen, Acoustic-Cover aufzunehmen. Gleichzeitig kamen auch die Klicks und ich habe Spaß daran gefunden, Songs meinen eigenen Stempel aufzudrücken und verschiedene Dinge auszuprobieren: z.B. Mashups (‚Pokerface‘ + ‚Somewhere with you’), neue Arrangements (‘Call me maybe’) oder Spaß mit Videoeffekten, um eine ganz andere Wirkung zu erzeugen (Splitscreen, Multiscreen etc.).

Interessant ist, dass man vorab nie wirklich abschätzen kann, wie und vor allem wo Songs ankommen. So hat zum Beispiel mein Cover  von ‘I Don’t Love You’ eine Runde in Amerika gedreht und mir knapp 45.000 Klicks eingebracht, während es in Deutschland kaum angesehen wird. Einfach ein riesiger Vorteil, dass man mit Youtube und Facebook internationale Portale zur Verfügung hat, um seine Musik zu verbreiten.

 

Zimbalam: Du hast auch sehr viel mit anderen Musikern zusammengearbeitet? Erzähl mal…

KevinStaudtMeine erste Kollaboration habe ich vor eineinhalb Jahren mit zwei Musikern aus Frankreich gemacht (Louis und Laurène von der Band ‘The Dreamers’), mit denen ich demnächst ein zweites Cover geplant habe.

Dadurch schafft man wieder ein neues Bild, weil man als Teil eines Ganzen wahrgenommen wird.

Und gleichzeitig hat man die Chance, ‘Abonnenten auszutauschen‘, denn die Zuhörer werden nach einer guten Kollaboration automatisch auf die Musiker aufmerksam, mit denen man zusammengearbeitet hat.  Es macht mir sehr viel Spaß, ein Gruppenprojekt zu teilen und Werbung dafür zu machen. Alles hat seine Vor- und Nachteile, aber das Gefühl, gemeinsam etwas Cooles auf die Beine gestellt zu haben, ist etwas Besonderes.

Als ich bei „The Voice“ teilgenommen habe, sind die ‘Gefällt mir’-Angaben auf Facebook von 300 auf ca. 2000 angestiegen und damit auch die YouTube-Abos. Zudem kamen neue Kollaborationsmöglichkeiten.

Ich habe zum Beispiel mit meiner Battlepartnerin Isabell Schmidt zwei Songs aufgenommen. Sie wird im Juli 2013 ihre erste Platte veröffentlichten und ich werde mit ihr als Lead-Gitarrist auf Tour gehen. Außerdem habe ich mit Sami Badawi die Single ‘Sing dein Lied‘ veröffentlicht. Während der Zeit bei „The Voice“ haben wir abends immer im Hotel Musik gemacht und gerade in der Battlezeit hatten Sami und ich dann auch mehr Kontakt und nach einigen Sessions darüber nachgedacht, auch gemeinsam zu covern. Das war ein sehr lockeres und unkompliziertes Arbeiten und die Coverversionen wurden über YouTube und Facebook sehr gut aufgenommen. Zudem hatten wir die Unterstützung durch die Musikerprofile von Nea, Isabell Schmidt und weitere, was die Videos auch nochmal gepusht hat.

Es gibt viele Möglichkeiten, über Videoportale Zuhörer zu gewinnen und Menschen für die eigene Musik zu begeistern. Wichtig ist: Ehrlich bleiben und nicht den Spaß an der Musik hinter den kommerziellen Erfolg zu stellen, solange man es wirklich selbst in der Hand hat.

Die Leute sind nicht blöd. Sie beschäftigen sich mit Künstlern und merken es, wenn man nicht 100%ig hinter einer Sache steht oder irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

 

Zimbalam: Wie genau liefen die Kollaborationen (technisch) ab?

KevinStaudtMeistens lief es so, dass man gemeinsam einen Song und eine Tonart  bestimmt hat und ich das instrumentale Arrangement für die Songs gemacht, aufgenommen und den anderen Musikern als MP3 geschickt habe. Sie wiederum haben dann ihre Gesangsspuren aufgenommen und mir dann zum Mixen zurückgeschickt. Je nach Equipment teilt man sich auch die Arbeit. Ich habe es zum Beispiel mit Louis und Laurène von ‘The Dreamers’ so gemacht, dass ich mich um die Audiobearbeitung gekümmert habe und die beiden den Videoschnitt übernommen haben. Das war für mich bisher die entspannteste Kollaboration, auch wenn ich kaum französisch und die beiden kaum deutsch sprechen. Louis und Laurène sind sehr gute und zuverlässige Musiker.

Ich habe allgemein bisher bei Collaborations noch keine schlechten Erfahrungen gesammelt. Ich glaube, man muss nur von Anfang an wissen, dass hinterher etwas dabei rauskommen kann, womit man sich gut fühlt. Manchmal wirkt man auch nur indirekt mit. Ich habe zum Beispiel Samis und Allys Cover von ‘She will be loved’ abgemischt.

Man unterstützt sich also auch untereinander, teilt etwa wichtige Beiträge seiner Musikerfreunde.

 

Zimbalam: Du arbeitest auch mit der CFI Kinderhilfe zusammen…

KevinStaudtDas „Aufmerksam machen“ gilt natürlich auch, wenn man zum Beispiel mit Organisationen zusammenarbeitet. Als die CFI auf mich zukam haben wir zunächst nur über ein Cover nachgedacht, das zum Thema passt und der Organisation gewidmet werden könnte. Jetzt ist daraus meine erste Single geworden. Bevor meine EP fertig wird, hatte ich nie über eine Single nachgedacht. Umso cooler also, dass ich mein erstes Single-Release als Botschafter der CFI ankündigen kann. Mir ist natürlich klar, dass über Hilfs- und Spendenaktionen auch gerne mal ein falsches Bild entsteht, wenn es den Anschein hat, dass die „Tue Gutes und sprich darüber“-Komponente ausgenutzt wird, um sich über diesen zweifelhaften Weg einen Erfolg zu sichern. In meinem Fall geht‘s nur darum, die CFI bekannter zu machen. Der Musikdownload läuft vollkommen unabhängig von der Aktion. Die Single soll wirklich nur von denen gekauft werden, die sie auch gut finden.

 

Zimbalam: Dein Fazit…?

KevinStaudtDie digitale Vermarktung über Downloadstores und die Einbindung von Promovideos, mit denen man auch noch Geld verdienen kann, erleichtert die Selbstständigkeit als Musiker, da keine Kosten mehr für CD-Pressung- und -Produktion anfallen (müssen). Möglichkeiten zur erfolgreichen Selbstvermarktung sind auf jeden Fall gegeben. Man muss nur den richtigen Weg finden, sie zu nutzen, daran glauben und Glück haben. Daran arbeite ich auch noch!

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2 Antworten zu “Social Media für DIY-Künstler: Ein Erfahrungsbericht”

  1. Wir sind absolute Kevin Staudt Fans! Kevins Engagement als Botschafter wissen wir sehr zu schätzen und wir freuen uns über seine erste selbst-produzierte Single!

  2. Zimbalam says:

    Darüber freuen wir uns auch! Weiter so!

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